Piraten entern den Neujahrsempfang der Kreis Klever Grünen

Meldung aus dem Kurier am Sonntag vom 15.01.2012

http://www.kurier-am-sonntag.de/cms/notizblog/4140-piraten-entern-den-neujahrsempfang-der-kreis-gruenen-mit-bericht-vom-buffet.html

Lachen mit Grünen-Chefin Claudia Roth (nicht im Bild, weil am Rednerpult).

Der Neujahrsempfang der Kreis Klever Grünen im Klever Kurhaus war heute wieder ein Stelldichein der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Elite des Kreises. Hier nur ein kurzer Auszug aus der Gästeliste: Landrat Wolfgang Spreen, Ex-Kurhaus-Direktor Guido de Werd, Volksbank-Chef Frank Ruffing, Hochschul-Präsidentin Marie-Louise Klotz, Bürgermeister Ulrich Francken aus Weeze, der stellvertretende Kranenburger Bürgermeister Jürgen Franken, Weezes Flughafen-Sprecher Holger Terhorst, Kalkars Bürgermeister Gerhard Fonck und natürlich Kleves erster Bürger Theo Brauer, der bei den Grünen immer ein Grußwort sprechen darf und das jedes Mal benutzt, um ein wenig gegen die Landes-Grünen zu sticheln (was er auch diesmal wieder tat). Erstmals dabei im Kreis der Ehrengäste: die Spitze der Kreis Klever Piratenpartei. Deren 2. Vorsitzender Ansgar Thüs kam schick im Hemd und Sakko, Oberpirat Rolf Bernads fiel mit Glatze, Freibeuter-mäßigem Bart und Piratenpartei-Sweatshirt schon mehr auf.

Nein, FDP-Chef Daniel Rütter (re.) will nicht bei den Kreis Klever Piraten anheuern (hier mit den Vorsitzenden Ansgar Thüs und Rolf Bernads).

Nach dem offiziellen Teil standen die beiden Piraten dann ziemlich konspirativ mit Kleves FDP-Chef Daniel Rütter zusammen. Ich wollte natürlich gleich einen Witz machen in dieser Art hier: „Wollen Sie bei den Piraten anheuern, jetzt da der FDP-Kahn langsam absäuft, Herr Rütter?“ Aber der Klever FDP-Chef hat glaube ich so einen Humor wie ich, ahnte deshalb, warum ich so grinste und nahm mir sofort den Wind aus den Segeln: „Bevor Sie fragen: Ich bleibe der FDP treu!“

Schade.

Wenigstens konnte ich Rütter dann zu einem Foto mit den Piraten überreden. Das lege ich mir mal ins Archiv und warte ab, ob seine Aussage auch in drei Jahren vor der nächsten Kommunalwahl noch Bestand hat…

Daniel Rütter musste sich in der Rede von der Festrednerin Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, auch wieder ein ziemlich gemeines FDP-Bashing anhören, dass er aber locker wegsteckte („Da habe ich mittlerweile ein dickes Fell!“). Also das Bashing ging so: Frau Roth berichtete gerade von dem megadollen Erfolgsjahr 2011 der Grünen, von den gewonnen Landtagswahlen und vom ersten grünen Ministerpräsidenten und verkündete stolz: „Wir waren 2011 in fünf Landesregierungen. Jetzt sind wir nur noch in vier, was aber nicht an uns liegt,sondern an einer anderen Partei. Wenn man die überhaupt noch so nennen kann.“

Ja, da lachte sich der Saal natürlich krümmelig. Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Ich glaube, die FDP hat vor zwei Jahren auch solche Witzchen gemacht, vor allem über die SPD. Naja, jeder Sieg geht schon mit der Niederlage schwanger und so kann sicher auch Daniel Rütter irgendwann wieder lachen und ein paar Witzchen in dieser Art über die Grünen machen. Ich glaube, er weiß das und strahlt deswegen eine so heitere Gelassenheit aus.

Claudia Roth mit Kreis-Grünen-Chefin Birgitt Höhn aus Rees und einem Kunstwerk von Joseph Beuys mit dem passenden Titel

Claudia Roth war übrigens richtig gut. Im Fernsehen kommt sie ja manchmal so giftig und bissig rüber, finde ich. Aber sie war heute in Kleve total sympathisch, locker und witzig.

Theo Brauer hatte in seiner Rede neben den üblichen Jubelarien über Kleve (Abteilung: Masters of the Universe) Frau Roth noch den Tipp gegeben: „Frau Roth: Gewöhnen Sie sich daran, dass Schwarz-Grün gut zusammenarbeitet. Das geht nicht nur in Kleve, das kann auch in Berlin klappen!“

Claudia Roth war von Theo Brauers Auftritt und seinem öffentlich zur Schau getragenem Mega-Selbstbewusstsein sichtlich beeindruckt und sagte in ihrer Rede zuckersüß in Richtung Brauer: „Ich habe noch nie einen Bürgermeister erlebt, der politisches Wohlbefinden so ausstrahlt wie Sie. Das scheinen gute Jahre zu sein, die Sie hier bislang mit den Klever Grünen hatten.“

Dr. Roland Mönig führte Claudia Roth noch durch die Jannis Kounellis-Ausstellung.

Die Grünen-Chefin lobte dann auch noch in höchsten Tönen das Museum Kurhaus Kleve, von dem sie offensichtlich schwer beeindruckt war. Nachher gab es für sie auch eine recht lange Privatführung durch Kurhaus-Chef Dr. Roland Mönig. Keine Frage, dass ihre Begeisterung danach noch größer war. Dr. Mönig ist mit Abstand der beste und sympathischste Kunstvermittler, den ich kenne.

Jetzt aber endlich zur Frage aller Fragen, die meine treuen Leser sicher am meisten interessiert: Was gab es zu essen?

Also ganz ehrlich: Beim Anblick des Buffets fragte ich mich, warum die Grünen eigentlich im letzten Jahr so einen Aufstand wegen der Verköstigung gemacht haben. Denn es war eigentlich so wie es immer war, nur weniger. Und ohne Käse-Igel, was ich natürlich sehr bedauerte.

Vielleicht können die Grünen sich ja auch mal um den Artenschutz beim Essen kümmern und dem Käse-Igel einen Platz auf ihrem Neujahrsempfangsbuffet reservieren. Wäre doch eine hübsche Idee für eine Grundsatzdebatte in diesem Jahr…

Gar nicht mal so viel...

Olaf Plotke, 15. Januar 2012

 

 

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